Aus der Geschichte Kölns
Tafelsilber der Stadt Köln
Viel Beachtung, ja zum Teil große Bewunderung erhalten seit Jahren unsere Sessionsorden, weil sie zum einen in unserer Ordensschmiede von Tobias Kreiten und seinem Team künstlerisch und handwerklich hervorragend gestaltet werden und weil zum anderen die Motive unserer Stadtgeschichte, die auf den Orden dargestellt werden, sorgsam ausgewählt sind und immer mit einem jecken Augenzwinkern in Bezug zum aktuellen Stadtgeschehen stehen. Der Orden 2005 hat ein Motiv, das zu einem Prunkstück des Kölner Tafelsilbers gehört und weil man immer häufiger davon in der Tagespresse liest, dass die Stadtoberen auch daran denken, das Kölner Tafelsilber zu verscherbeln, müssen wir es in unserem Orden verewigen, bevor es zu spät ist. Die Vorstellung, dass irgendein Scheich oder eine Landeszentralbank das Tafelsilber erwirbt und wir in einen tiefen Kellertresor steigen oder nach Bahrain oder in ein anderes Scheichtum fliegen müssen, um Kölner Schätze zu sehen, führt bei jedem Kölner zu einer eigenartigen Verformung der Nackenhaare.
Also – keine Angst vorerst – das Original zu unserem Orden steht zur Zeit noch im Kölner Stadtmuseum an der Zeughausstrasse und kann dort fast täglich besichtigt werden. Es ist ein aus einem einzigen Bergkristallblock geschnittenes Schiff – offensichtlich eine Hansekogge. Vater Rhein als Wassergott aus den Fluten des Rheines steigend, trägt auf seinem Haupt mit der rechten Hand abgestützt dieses Schiff. Diese künstlerische Komponente aus dem Kölner Ratssilber gehört zum prunkvollen Tafelaufsatz, auf dessen Sockel berühmte Schlösser, Burgen, Klöster und mittelalterliche Kirchen entlang des Rheines sowie Figuren, Helden und Gestalten aus rheinischen Sagen und Berufsständen dargestellt werden. Das ganze Arrangement trägt die Bezeichnung “Vater Rhein“ und diente als Exponat rheinischer Goldschmiedekunst auf der Weltausstellung im Jahre 1900 in Paris.
So wie in alten hochherrschaftlichen Familien das Tafelsilber, oft über viele Generationen vererbt, der besondere Stolz des Hauses war und nur zu bestimmten Festtagen aufgetischt wurde, so war auch das Kölner Ratssilber, über Jahre gesammelt, ergänzt, erweitert, oft schmuckvoll mit Edelsteinen verziert, der prunkvolle Glanz einer Festtafel, wenn die erlauchten Herren des „Hohen Rates“, also die Rotshäre, - „Hallo Kollegen!“ - gekrönte Häupter oder die Mächtigen der Welt zu Gast hatten. Nur wenigen Städte können sich heute noch des Besitzes eines kostbaren Ratssilbers rühmen.
Die Kölsche Rotshäre haben den Wert dieser Kostbarkeit schon längst erkannt und verleihen seit 1994 die vergoldete Abbildung dieser Hansekogge als Ehrenschiff an verdienstvolle Mitbürger, die sich im Hintergrund um die Pflege des Kölner Brauchtums bemühen.
Mit Stolz und Dankbarkeit zugleich erfüllt es die Mitglieder unserer Gesellschaft, dass Entwurf, Gestaltung und Herstellung auch dieses Ordens in den geschickten Händen unseres Metallbildhauers Tobias Kreiten liegen, der wie sein Vater Heribert Kreiten Ehrensenator der KG Kölsche Rotshäre ist. Der Kreis der Geschichte schließt sich, wenn man den Fachbüchern der Stadt entnimmt, dass bereits der Urgroßvater von Tobias der Goldschmiedemeister Alois Kreiten am Kölner Tafelsilber gearbeitet hat. Ein Grund mehr, es jetzt nicht zu verhökern!