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Besichtigung des Kölner RathausesDie KG Kölsche Rotshäre sind nicht nur ein Karnevalsverein. Viel Wert wird auf das Brauchtum und die Geschichte Kölns gelegt. Einer der vielzähligen Besichtigungen fand im Kölner Rathaus statt. In unseren Reihen befinden sich u.a. auch echte Ratsherren (kommunalpolitische Mandatsträger), welche sich als „Fremdenführer“ zur Verfügung stellten. Aufgefallen sind hierbei die hervorragenden Kenntnisse über Ort und Geschichte zum erweiterten Thema des Rathauses. Kurz nach unserer Ankunft vor der Rathauslaube, begann Ulrich Ruchartz gleich mit Erläuterungen zum Thema, dabei liefen uns namenhafte Aktive und mittlerweile nicht mehr so aktive Politiker über den Weg. Sie nahmen sofort an der Unterhaltung teil und unterstützten Ulrich Ruchartz wohl informiert bei seinen Ausführungen. Bei dem Rundgang sehen die Kölsche Rotshären die Sache teilweise mit etwas anderen Augen, weil sie ständig neue Motive für Orden und sonstige Auszeichnungen suchen. Natürlich sind sie schnell fündig geworden. Eines der Motive unserer Orden fand man schnell auf der Prunktür zwischen Hanse- und Senatssaal des Rathauses. Diese Prunktür ist reichlich verziert mit Schnitzereien aus der Geschichte Kölns. Dieses Motto wurde der Ordensschmiede der Fa. Kreiten vorgestellt, welche nahezu die Tränen in den Augen bekam, da wir uns diese Tür als 3-dimensionales Kunstwerk vorstellen und auch so letztendlich umgesetzt wurde. Die Tränen in den Augen der Ordensschmieder war nicht deshalb weil sie von diesem Motiv so ergriffen waren, sondern weil die Ausführung eines solchen Ordens außergewöhnlich arbeitsintensiv und außerdem kaum zu bezahlen wäre. Nur mit der Unterstützung dieser Ordensschmiede konnte dieser einzigartige Orden in einer beschränkten Anzahl hergestellt werden.
Zu dem eben beschriebenen Ordensmotiv ist folgendes anzumerken:
Im Jahre 1396 gaben sich die 22 Gaffeln in einem Verbundbrief einer Verfassung, die auch nach unserer heutigen Vorstellung als sehr demokratisch gelten kann. Deshalb hatte sie auch über 400 Jahre Bestand, bis zu dem Zeitpunkt da sich die Franzosen und ein gewisser Herr Napoléon Bonaparte unserer Stadt bemächtigten. Die Verfassung von 1396 besagte unter anderem:
Es soll fortan nur einen aus 49 Mitgliedern bestehenden Rat geben, davon sollen 36 von den Zünften und Gaffeln kommen und 13 das so genannte Gebrech, als kluge erfahrene beratenden Persönlichkeiten, die vom Rat berufen werden. Der gesamte Rat soll aus den Zünften und Gaffeln zwei Bürgermeister wählen und damit „kein ehrbarer und beerbter Bürger“ von der Wahl ausgeschlossen wird, ist jeder Bürger verpflichtet, sich bei der Zunft oder bei einer Gaffel einschreiben zu lassen. Für diese zwei Bürgermeister und die 49 Ratsherren und natürlich für das, was auch damals schon so drum und dran war, wurde der Senatssaal benötigt, nicht zuletzt aber auch als Zeugnis und Beweis der Repräsentation einer selbstbewussten Stadtführung.
Zu Beginn des 15. Jahrhunderts ließen die freiliebenden Bürger Kölns als Zeichen ihrer gewonnen Unabhängigkeit und Herrschaft über die Stadt den Rathausturm errichten (1407 – 1414), nach dem sie sich vorher gegen die Geschlechter (die bis dahin herrschenden reichen Familien) und gegen die Kirche und den Klerus durchgesetzt hatten.
Von 1597 – 1602 lässt der Rat sich diesen 10 x 10 m großen Saal für seine Sitzungen neu herrichten. Im Stil der Renaissance entsteht eine feine geometrische Leisten-Stuckdecke, mit Abbildungen von berühmten Feldherren. Für die Ratssitzungen wird an zwei gegenüberliegenden Wandseiten vor bemalten Wandbehängen ein kunstvoll geschnitztes hölzernes Gestühl aufgestellt, auf dem die Ratsherren platz nehmen. An der nördlichen Stirnwand des Saales sitzen die beiden Bürgermeister unter dem Bild des Gekreuzigten, was bewusst das Zeremoniell der in feierlicher Amtstracht fungierten Ratsherren unterscheiden soll.
Zwischen den beiden Bürgermeistern bleibt ein Platz für den Kaiser, zu dem man um ein gutes Verhältnis bemüht war, reserviert. Inmitten des Saales (auch ein Motiv einer unserer Orden) steht ein Gestühl, dass nach heutiger Bezeichnung für wichtige Leute der Verwaltung vorgesehen ist, dem Memorialmeister, den „Meister zur Bank“ und den Stadtschreiber. Auf allen vier Wänden prangt in goldenen Buchstaben die Mahnung in lateinischer Sprache: „Baudiatur Alterea Para“. Übersetzt heißt das: „Höre die andere Seite“. Ein Spruch, der an Aktualität bei der Lösung und Bewältigung von Problemen und Auseinandersetzungen bis heute nicht verloren hat.
Das prächtige Portal, dass den Eingang zum Senatssaal schmückt ist mit seinen sinnbildlichen Darstellungen menschlicher Tugend das Glanzstück dieses Raumes. Über der Tür erkennen wir das Wappen unserer Gesellschaft, nämlich das mittelalterliche stadtkölnische Wappen mit den drei Kronen und darunter den 11 Flammen, dass zwei prachtvolle Löwen in den Pranken halten.
Im zweiten Weltkrieg wurde der Senatssaal durch Bomben und Brand zerstört. Die wertvolle alte Einrichtung und Ausstattung des Raumes ist wohl weislich rechtzeitig ausgelagert worden, so dass sie erhalten werden konnte, diesen Raum noch heute ziert und ihm auch nach seinem Wiederaufbau das mittelalterliche Aussehen von damals verleiht, wie man es auf einem unserer Orden sehr schön erkennen kann.
Nach der Besichtigung des Rathauses ging es in das gegenübergelegene Gebäude, in den so genannten „Spanischen Bau“. Dort befinden sich die Fundamente des römischen Prätoriums , ehemals der Palast des Stadthalters von Niedergermanien und Regia. Sie wurde 1953 bei den Bauarbeiten zu Errichtung des neuen spanischen Baus gefunden. Interessant zu sehen, wie die Römer damals bauten. Ebenso fenomenal die Betondecke, welche heute diese Ausgrabungen überspannt. Das sollte man gesehen haben.