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Tagestour nach Garzweiler

An unserer Tagestour nach Garzweiler begleitete uns ein herrlich sonniger Tag. Die Abfahrt vom Vogelsanger-Markt erfolgte pünktlich, mit einem im Original restaurierten Oldtimer-Omnibus, um 10:00 Uhr. Die Stimmung war trotz des frühen Morgens sehr gut. Der Bordkühlschrank war mit den notwendigen flüssigen Getränken gefüllt. Nach einer gemütlichen Fahrt haben wir unseren ersten Ausflugsort "Schloss Paffendorf" erreicht.

Die älteste Nennung des Ortes Paffendorf findet sich als "Paphenthorof" in einer undatierten Notiz in einem Kodex des Trierer Stiftes St. Maxim aus dem Jahr 882.

Das Renaissance-Wasserschloss Paffendorf wurde im Wesentlichen zwischen 1531 und 1546 von den Eheleuten Wilhelm von dem Bongart und Maria Mascharel auf den Trümmern der alten Burganlage aufgebaut.

Ludwig von dem Bongart ließ das Schloss zwischen 1861 und 1865 sowie 1880 vom Kölner Baumeister August Lange dem Zeitgeschmack entsprechend im neugotischen Stil umgestalten.

Erhebliche Schäden richtete im Februar 1916 ein Großfeuer an. Die letzte Bewohnerin der Anlage, Marietta Freifrau von dem Bongert, verkaufte den gesamten Besitz 1958 an die Rheinische Braunkohlekraftwerke.

Seit 1967 beherbergt das Schloss das Informationszentrum des Kölner Energie-Unternehmens. Ein Besuch in diesem Infocenter erweiterte allseits unser Wissen. Der Energierohstoff Braunkohle ist tertiären Ursprungs und ist vor 12 bis 20 Millionen Jahren aus den Resten einstiger Vegetation entstanden. Einst hatten wir hier ein subtropisches Klima mit seiner entsprechenden Fauna und Flora. Zwischenzeitlich überflutete die Nordsee teilweise auch unsere Regionen. Dies beweisen auch die archäologischen Funde, die im Infocenter zu besichtigen sind. Unter anderem wurden in den Tagebauten Haifischzähne, Elefantenstoßzähne, Bruchstücke vom Rückenpanzer eines Krokodils und einer Weichschildkröte als auch Überreste aus der Römerzeit und vieles mehr gefunden.

Eine Bilddokumentation zeigt den Tagebau von 1898 bis heute. Auch sind maßstabsgerechte Ausstellungsstücke der Schaufelbagger zu besichtigen. Der erste Schaufelbagger der Rheinbraun wurde 1955 in Tagebau Fortuna-Garsdorf eingesetzt. Die Tagesfördermenge belief sich seinerzeit schon auf beachtliche 100.000 Tonnen.

Einzigartig wird wohl auch die Brikettsammlung sein. In einem Vitrinenschrank sind rund 70 Briketts, aus der bestehenden Sammlung von insg. 3.500 Briketts, ausgestellt. Die Briketts sind teilweise bis zu 130 Jahre alt und zeitgemäß mit einem Spruch belegt.

Gleichfalls ist ein Modell der neuesten Kraftwerkstechnik ausgestellt. Dieses Modell zeigt das erste Braunkohlekraftwerk mit optimaler Anlagentechnik, welches im September 2002 in Niederaußem in Betrieb ging. Das Kraftwerk hat eine Nettoleistung von 965 Megawatt und ein Wirkungsgrad von mehr als 43%. Damit nutzt dieses Kraftwerk die Energie der Braunkohle um 1/3 besser als die zu ersetzenden älteren Kraftwerke. Der Kohlendioxidausstoß verringert sich dadurch um bis zu 3 Millionen Tonnen pro Jahr.

Nach der Besichtigungstour haben wir uns im Bistro des Schlosses bei Erbsensuppe mit Würstchen gestärkt. Anschließend war ein Spaziergang im Schlosspark angesagt.

Der Schlosspark ist 7,5 Hektar groß und mit ausgedehnten Wasserflächen und zahlreichen teilweise sehr alte Einzelbäume ausgestattet. Als Überreste urzeitlicher Flora flankieren zwei 15 Millionen Jahre alte Sequoia-Stümpfe den Eingang zum Park. Unter anderem gibt es dort Mammutbäume (ca. 250 Jahre alt), Gingkos und Riesenlebensbäume zu sehen.

Gleichfalls finden im Schlosspark Freiluftkonzerte vor dem Konzertpavillon statt. Leider fehlte die Zeit, die Parkanlage näher zu besichtigen. Als Ausflugstipp ist dieses Schloss besonders empfehlenswert.

Im Anschluss fuhren wir zum Tagebau Garzweiler. Erstmals wurden wir im Informationscenter Garzweiler umfassend über die Braunkohlegewinnung informiert. Der Tagebau Garzweiler wird von 100.000 Menschen pro Jahr besucht.

Die Braunkohlereserven stehen noch für Generationen zur Verfügung. Die Braunkohleförderung liegt derzeit bei ca. 100 Millionen Tonnen pro Jahr. Etwa 10% der geförderten Kohle wird zu Briketts verarbeitet. Der Rest der Braunkohle wird zur Stromerzeugung von 4 Kraftwerken benötigt. Die Stanorte liegen in Niederaußem, Neurath, Weisweiler und Freimersdorf. Die Leistung dieser Kraftwerke sichert 15% der gesamten deutschen Stromenergie. Wobei für die Energieversorgung der Tagebauten ein Gesamtenergiebedarf von 3% der Energiegewinnung aller 4 Kraftwerke ausmacht.

Mit dem Tagebau ist immer auch ein erheblicher Eingriff in die Natur und den Lebensraum verbunden. Umsiedlungen von ganzen Dörfern sind notwendig um die Braunkohle aus dem rheinischen Revier zu fördern. Riesige Flächen müssen rekultiviert werden.

Es gibt insgesamt 3 Tagebaugebiete, Hambach, Inden und Garzweiler. In Garzweiler steht der größte Schaufelbagger (Bezeichnung Nr. 288) der Welt. Er ist 96 m hoch, 225 m lang und 13.500 Tonnen schwer und seit 1975 in Betrieb. Für einen Farbanstrich benötigt man 60 Tonnen Farbe. Das Schaufelrad hat einen Durchmesser von 20 m und besitzt 18 Schaufeln. Jede dieser Schaufel fasst 6,5 m³. Die Gesamttagesleistung dieses Baggers beträgt 250.000 Tagestonnen.

Nach all diesen und natürlich auch viele anderen Informationen fuhren wir mit dem Bus in das riesige “Loch” des Tagebaus Garzweiler hinein und konnten uns vor Ort die gigantischen Ausmaße der Schaufelbagger bei ihrer Arbeit ansehen. Wir hatten das Glück den größten Bagger der Welt unmittelbar (in 30 m Nähe) bei der Arbeit zu beobachten. Dieser Bagger wird nur von 4 bis 5 Personen bedient. Gleichfalls wurde uns bewusst, dass wir uns in dem "Loch" auf einer Ebene befanden, die vor ca. 12 Millionen Jahre der Meeresgrund der Nordsee war, welche die Torfablagerungen aus der Vorzeit zur heutigen abbaubarer Braunkohle zusammenpresste. Auf Förderbänder, die bis zu 5 km lang und 2,80 m breit und 30 Stundenkilometer schnell sind, wird der Aushub der Bagger abgeführt. Förderbandanlagen und Eisenbahnzüge liefern die Kohle zu den Kraftwerken und zu Veredelungsprozessen (Brikettsbildung). Auch der Abraum (Sand und sonstiges) wird per Förderband und per Bahn transportiert. Sie werden in Bereichen der Tagebaue verteilt, in denen die Kohle bereits abgebaut worden ist. Dort schichten so genannte "Absetzer" (große Kettenfahrzeuge mit Förderbänder versehen) das Material wieder auf. Unmittelbar danach beginnt man mit der Rekultivierung. Durch Anweisungen eines sehr kompetenten Führer, der uns trotz seiner Jugend mit seinem Fachwissen beeindruckte, fuhren wir dann weiter und besichtigten noch rekultivierte Gebiete, umgesiedelte Bauernhöfe und eine neu errichtete Siedlung.

Nach einer kurzen Rast fuhren wir dann weiter nach Alt-Kaster. Auch dort erwartete uns bereits ein Führer, der uns die Altstadt von Kaster, dem Kleinod an der Erft, zeigte. Die Entstehungsgeschichte ist nicht mehr rekonstruierbar jedoch wird vermutet, dass die Gründung der Gemeinde in der Römerzeit war. Durch einen verheerenden Brand wurden alle Häuser im 16. Jahrhundert zerstört, daher stehen dort überwiegend alte Fachwerkhäuser die, eingebetet in Burgmauern, nach dem Brand wieder aufgebaut worden sind. Wir haben es uns nach der Führung in einem Restaurante auf einer Sonnenterasse gemütlich gemacht und sind um 19:00 Uhr zurück gefahren, wo der Abschluss der Tagestour bei einem Grillfest im Zwitscherhäuschen bis in den Morgenstunden gefeiert wurde. Der Tag war sehr interessant und informativ und an dieser Stelle herzlichen Dank an die Organisatoren.